Was ist eigentlich der Blutdruck?
Das
Herz zieht sich etwa 60 bis 80mal
pro Minute zusammen und dehnt
sich anschließend wieder aus.
Dabei pumpt es das Blut unter
Druck in die arteriellen Blutgefäße
(Schlagadern), die sich in immer
dünnere Äste verzweigen und schließlich
in feinste Blutgefäße (Kapillaren)
übergehen.
Alle
diese kleineren und größeren Äste
und Gefäße setzen dem Blutstrom
einen mehr oder weniger großen
Widerstand entgegen, so dass das
Blut nur dann ständig fließen
kann, wenn es unter einem ausreichenden
Druck, dem Blutdruck, steht. Der
Druck wird durch die Arbeit des
Herzens erzeugt, das dabei gegen
den Widerstand der Blutgefäße
arbeitet. Das Blut, das in den
Blutgefäßen wie in einem weitverzweigten
Röhrensystem fließt, versorgt
den menschlichen Körper mit Sauerstoff
und allen notwendigen Nährstoffen.
Der
Blutdruck ändert sich bei jedem
Menschen im Laufe des Tages und
ist von zahlreichen Faktoren abhängig:
-
Bei
körperlicher und seelischer
Ruhe sinkt er im Allgemeinen
-
und
steigt bei körperlicher Anstrengung
oder psychischer Aufregung.
-
Die
niedrigsten Blutdruckwerte
im Tagesrhythmus finden sich
normalerweise im Schlaf und
in den frühen Morgenstunden.
-
Die
höchsten Werte treten meist
tagsüber während körperlicher
oder psychischer Belastung
auf.
-
Derartige
Schwankungen des Blutdrucks
sind normal und als Anpassungsreaktion
auf die verschiedenen Einflussfaktoren
anzusehen.
Wenn
der Blutdruck ständig und unabhängig
von körperlicher oder seelischer
(Stress-) Belastung erhöht ist,
spricht man von Hypertonie oder
Bluthochdruck.
Die Blutdruckmessung
Die
Blutdruckmessung ist die Grundlage
jeder Blutdruckbehandlung. Deshalb
ist eine fehlerfreie Blutdruckmessung
sehr wichtig. Grundsätzlich gilt,
dass der gemessene Blutdruck umso
genauer ist, je näher am Herzen
gemessen wird. Naturgemäß ist
die Messung im Herzen selbst am
genauesten, jedoch nur mit einem
Linksherzkatheter durchführbar.
Je
weiter weg Sie vom Herzen messen,
umso mehr Fehlerquellen können
auftreten. Wie beim Gartenschlauch,
so kann es auch beim arteriellen
Gefäß bis zum Messort durch Gefäßabknicken
oder sonstige Gefäßverengungen
zu Fehlmessungen kommen. Ungünstig
und nicht zweckmäßig sind unter
diesem Gesichtspunkt Blutdruckmessungen
am Finger oder am Handgelenk.
Die Oberarmmessung ist weiterhin
der Goldstandard.
Die
Messung des Blutdrucks beim Arzt
oder durch Sie selbst erfolgt
fast immer indirekt, d. h. nicht
direkt in den Arterien oder Venen,
sondern von außen um den Oberarm
mit der Manschette, die mit einem
Druckmessgerät (Manometer) verbunden
ist. In besonderen Fällen wird
die Höhe des Blutdrucks direkt
mit Hilfe eines Katheters untersucht.
Bei
der in der Regel durchgeführten
indirekten Messung gibt es einige
Fehlerquellen, die dazu führen,
dass der indirekt gemessene Blutdruck
von den direkten, im Blutgefäß
gemessenen, Werten abweicht.
Fehlerquellen
können sein:
-
zu
breite oder zu schmale Blutdruckmanschette
(zunehmende Weichteildicke
ergibt fälschlich zu hohe
Werte,
d. h. ab 30 cm Armumfang eine
breitere Manschette verwenden)
-
falsche
Lagerung des Arms
(ganzer Arm, nicht nur der
Oberarm sollte in Herzhöhe
liegen)
-
Abschnüren
des Messarms durch zurückgeschobene
Kleidung
(entsprechende Kleidungsstücke,
Uhren oder Schmuckgegenstände
sind vor der Messung abzulegen)
-
Abknicken
des Gefäßes
-
Hörrohr
(Stethoskop) nicht richtig
auf die Ellenbogenarterie
auflegen (Störgeräusche)
-
Hörschwäche,
deshalb nur unzureichende
Beurteilung des Blutdruckgeräusches
(Korotkoff-Geräusch)
-
Ablesefehler
-
Unterhaltung
während der Blutdruckmessung
Selber
Blutdruck messen
Dass
der zu
Hause selbstgemessene
Blutdruck niedriger ist, als der
beim Arzt gemessene, ist schon
seit ca. 60 Jahren bekannt. Deshalb
empfiehlt Ihr Kardiologe Ihnen
sicherlich die regelmäßige Messung
zu Hause, wenn Sie von erhöhtem
Blutdruck betroffen sind.
So
messen Sie Ihren Blutdruck richtig:
-
Bis
ca. 1 Stunde vor der Messung
Verzicht auf koffeinhaltige
Getränke, Nikotin und Alkohol.
-
3-4
Minuten ruhig sitzen, Arm
in Herzhöhe lagern.
-
Der
Messarm hat während der
Messung ruhig auf einer
Unterlage aufzuliegen und
darf nicht bewegt werden.
-
Blutdruckmanschette
anlegen, Unterrand 2,5 cm
über der Ellenbeuge, Rechtshänder
in der Regel am linken Arm.
-
Hörrohr
(Stethoskop) an der Innenseite
des Oberarms über der Schlagader
platzieren.
-
Manschette
bis 30 mmHg über den systolischen
Druck aufpumpen
(beim systolischen Druck verschwindet
der Puls am Handgelenk)
-
Manschettendruck
langsam um 2-3 mmHg pro Sekunde
ablassen.
Merken,
-
bei
welchem Druck der erste Ton
bzw. das erste Blinkzeichen
erscheint (= systolischer
Blutdruck)
-
und
bei welchem Druck der letzte
Ton bzw. das letzte Blinkzeichen
(= diastolischer Blutdruck)
wahrzunehmen ist.
-
Werte
auf 2 mmHg genau ablesen.
Bei
automatischen Geräten werden die
Blutdruck- und Pulswerte als Ziffern
angezeigt.
Blutdruck-Werte
(normal und erhöht)
Obere
Grenze des normalen Blutdrucks
Kontrollbedürftiger
Grenzbereich
Eindeutig
erhöhter Blutdruck
Nach
aktueller Vereinbarung sollten
mindestens 5 Blutduckwerte über
den Tag verteilt gemessen werden,
dies an 3 aufeinander folgenden
Tagen.
Wenn
Sie also zu Ihrem betreuenden
Arzt gehen, sollten Sie mindestens
diese Werte aus den der Beratung
vorangehenden Tagen mitbringen,
um eine Beurteilung der Blutdrucklage
zu ermöglichen.
Bei
den meisten Menschen, die an Bluthochdruck
leiden, lässt sich keine Ursache
dafür finden. Diese "Essentielle
Hypertonie" ist hier die Grundkrankheit.
Meist entsteht diese Form des
Bluthochdrucks durch eine angeborene
Anlage. Umweltbedingte und verhaltensabhängige
Einflüsse oder einfach das fortschreitende
Alter machen dann aus dieser Anlage
eine Krankheit.
Familiäre
Veranlagung
Wenn
es in Ihrer Familie eine Reihe
von Verwandten mit erhöhten Blutdruckwerten
gibt, müssen Sie annehmen, dass
Sie Erbanlagen haben, die besonders
leicht zu Hochdruck führen. Sie
sollten dies regelmäßig überprüfen
und ausschließen lassen. Allerdings
muss die familiäre Veranlagung
zum Bluthochdruck nicht notwendigerweise
zu einer Hochdruckkrankheit und
ihren Folgeschäden führen; oft
kommen noch auslösende Bedingungen
hinzu:
-
z. B. eine falsche Ernährungsweise
mit übermäßiger Kalorienzufuhr
und Übergewicht,
-
Bewegungsmangel
und fehlender Ausgleichssport
-
vor
allem aber eine zu hohe Kochsalzaufnahme
-
Stress,
insbesondere Dauerstress:
psychische Belastungen, Unrast
und Hetze
-
hormonelle
Faktoren (Menopause, dann
oft schlecht einstellbarer
instabiler Bluthochdruck)
Wie
es dabei im einzelnen zur Hochdruckkrankheit
kommt, ist noch nicht genau bekannt.
Sekundäre
Hypertonie
In
seltenen Fällen (ca. 10 %) kann
der Hochdruck selbst schon eine
Folgekrankheit einer ganz anderen
Grundkrankheit sein. Wir sprechen
dann von einer "sekundären Hypertonie".
Warum
ist Bluthochdruck so gefährlich?
Je
höher der Blutdruck, umso schwerer
muss das Herz gegen den erhöhten
Widerstand anpumpen.
Durch
diese immer schwerer werdende
Arbeit erlahmt im Laufe der Jahre
seine Kraft. Es kommt zunächst
wie bei anderen Muskeln auch,
die vermehrte Arbeit leisten müssen
zur Verdickung der Herzwand. Diese
verdickte Herzwand weist in der
Regel ab einer bestimmten Phase
keine ausreichende Zunahme der
sie versorgenden Blutgefäße auf.
Es kommt zum Nährstoffmangel,
zur Umwandlung von Muskelgewebe
in Bindegewebe und in einer Spätphase
der Bluthochdruckerkrankung zur
Herzerweiterung. Dieses macht
sich im Alltag als Herzschwäche
(Herzinsuffizienz) und schlimmstenfalls
Herzversagen bemerkbar.
Durch
die erhöhte Druckbelastung werden
Verhärtungen und Verengungen aller
arteriellen Gefäße hervorgerufen,
durch die es zu Schäden an Hirn-,
Herzkranz-, Nieren- und Augengefäßen
kommt.
Dadurch
kommt es oft zu einer Verminderung
der Organdurchblutung. Um aber
die Durchblutung und die allgemeine
Leistungsfähigkeit zu erhalten,
steigt der Blutdruck reflektorisch
weiter an, die Bluthochdruckerkrankung
verschlechtert sich, die Herz-Kreislaufbelastung
steigt weiter an.
Das
heißt:
-
Hoher
Blutdruck führt langsam aber
stetig zu einer weiteren Zunahme
der Verhärtung und Verengung
der Blutgefäße.
-
Das
hat zur Folge, dass sich der
Blutdruck weiter erhöht.
-
Hoher
Blutdruck verkürzt die Lebenserwartung.
-
40
% der Todesfälle bei unter
65-jährigen sind Folgen von
Erkrankungen durch Bluthochdruck.
- Bluthochdruck
spielt zudem eine wichtige Rolle
bei der Entstehung der Arteriosklerose.

Warnsignale
-
Zunehmende
Nervosität:
Der Betroffene ist wesentlich
gereizter als früher.
-
Schlafstörungen:
Bei Häufung von Schlafstörungen
über einige Wochen sollte
man seinen
Arzt aufsuchen.
-
Kopfschmerzen:
Regelmäßige Kopfschmerzen
meist im Hinterkopf sind
ein wichtiges Signal.
-
Schwindelzustände:
Schwindel mit leichter Benommenheit
oder mit Gefühl des Schwankens.
-
Atemnot:
Das Auftreten von Atemnot
bei körperlicher Belastung,
beim Bücken oder bei Wetterumschwung
kann ebenfalls auf Hochdruck
hinweisen.
-
Erektionsschwäche:
Durch Bluthochdruck kann
es bei Männern in der zweiten
Lebenshälfte zu einem Nachlassen
der Sexualität kommen.
-
Leistungsknick:
Lern-, Merk- und Konzentrationsfähigkeit
können abnehmen.
10
Grundregeln für Bluthochdruck-Patienten
-
Blutdruck
regelmäßig messen
-
Empfehlungen
des Arztes beachten
-
Normalgewicht
anstreben
-
Alkoholgenuss
einschränken
-
Kochsalz
durch Gewürze ersetzen
-
Reichlich
Obst und Gemüse essen
-
Pflanzliche
Fette und hochwertige Öle
bevorzugen
-
Rauchen
einstellen
-
Körperliche
Bewegung fördern
-
Für
Ruhepausen und Entspannung
sorgen
Neue WHO-Leitlinien zum Bluthochdruck
"Mit
niedrigem Blutdruck lebt es sich
lang und gut"!
Der alte Internistenspruch findet
sich in neuen WHO-Leitlinien.
Nehmen
Sie zu hohe Blutdruckwerte ernst,
denn mit Ihrem Blutdruck steigt
das Risiko für Herz und Kreislauf!
|
Normalbereich
|
|
|
|
Kategorie
|
Syst.
mmHg
|
Diast.
mmHg
|
|
Optimal
|
<
120
|
<
80
|
|
Normal
|
<
130
|
<
85
|
|
Hoch-normal
|
130
- 139
|
85
- 89
|
|
Bluthochdruckbereich
|
|
|
|
Grad
1 (leicht)
|
140
- 159
|
90
- 99
|
|
"grenzwertig"
|
140
- 149
|
90
- 94
|
|
Grad
2 (mäßig)
|
160
- 179
|
100
- 109
|
|
Grad
3 (schwer)
|
>
180
|
>
110
|
|
nur
systolische Hypertonie
(erster Blutdruckwert
erhöht)
|
>
140
|
<
90
|
|
"grenzwertig"
|
140
- 149
|
<
90
|
|
Risikofaktoren
|
-
Männer
älter als 55 Jahre
-
Frauen
älter als 65 Jahre
-
Rauchen
-
Gesamtcholesterin
höher als 250 mg/dl
-
Zuckerkrankheit
(Diabetes
mellitus)
-
Herz-Kreislauferkrankungen
in der Familie
-
zu
niedriges HDL
(gutes Cholesterin)
-
Übergewicht
-
sitzende
Lebensweise
- zu wenig Bewegung
-
Quelle:
1999 World Health
Organization-International
Society of Hypertension
Guidelines for the
Management of Hypertension"
(Journal of Hypertension
1999, 17: 151-183)
|
|